Die Welt aus meinen Augen

30.06.2007 - eMail an einen Stromanbieter

Hallo Leute von E WIE EINFACH Strom & Gas GmbH,

erst kürzlich bekam ich von Euch ein Werbeprospekt zugeschickt, in dem Ihr mich über den günstigen Stromtarif informieren wollten. Anbei war gleich ein ausgefüllter Auftrag zum Wechsel des Stromanbieters, der natürlich –wie sollte es auch anders sein- kostenlos ist. Da habt Ihr Euch aber mächtig in den berühmten Finger geschnitten. Ich hoffe, es war nicht der grüne Daumen. Ich wohne hier bei meinen Eltern mit in der Wohnung, bezahle keine Miete und nichts für den Strom. Ich kann also gar nicht den Stromanbieter wechseln, denn ich bin ja noch nicht einmal Kunde von einem. Na ja, das kann schon mal passieren, wenn man e wie einfach irgendwo ne Menge Adressen kauft und an alle denselben Mist schickt. Was hat Euch eigentlich meine Adresse gekostet, und wo habt Ihr sie her? Von mir habt Ihr sie nicht, jedenfalls nicht dafür, mir Werbung zu schicken. Das würde mich wirklich interessieren. Zum Glück habt Ihr ja in Eurer Datenschutzerklärung stehen, dass Ihr meine Adresse nicht an Dritte weitergebt. Das wäre ja auch schlimm, wenn das jemand machen würde. Alles egal, jedenfalls habe ich den Vertrag samt Werbematerial sorgfältig zerrissen und e wie einfach in den Hausmüll geschmissen, nein nicht in den Papiermüll, e wie einfach so in den Hausmüll. Ich weiß, das war umwelttechnisch daneben, aber der Müll ist schon weg und ich kann diesen Fehler nicht wieder gutmachen. Bitte sagt das nicht weiter. Dann dachte ich, die Sache sei erledigt, wie es bei dem ganzen anderen Werbekram der Fall ist.

Da sollte ich aber falsch liegen. Ihr seid ganz schön hartnäckig. Das ist in der heutigen Zeit, wo der Energiemarkt geöffnet ist, bestimmt wichtig. Da hat doch tatsächlich eine anfangs nette Frau bei mir angerufen. Okay, das ist im Normalfall nicht das Problem. Ich freue mich schon über Frauenanrufe, aber meistens kenne ich sie oder will sie kennen lernen. Aber es war Freitag und bereits 15:21 Uhr. Ich war endlich zu Hause und wollte e wie einfach mal in Ruhe meine Emails lesen. Woher habt Ihr meine Handynummer? Die habt Ihr garantiert nicht von mir. Was kostet denn eine Handynummer? Bei McDonalds muss man laut Fernsehwerbung „nen Euro“ dafür auf den Tisch legen. Habt Ihr auch so viel bezahlt? Bin ich Euch so viel wert? Bei McDonalds hat man aber den Vorteil, dass man die Frau bereits gesehen hat und weiß, ob sich der Euro lohnt. Da rief nun also die Frau an (den Namen habe ich vergessen) und sagte ihren auswendig gelernten Spruch auf und fragte, ob die Werbung angekommen wäre? Wie gesagt, ich saß vor meinem Rechner, hatte einen Haufen Spam- und Werbeemails, über die ich mich ärgerte und wollte e wie einfach nur meine Ruhe haben. Ich erklärte ihr wahrheitsgemäß, dass ich den Brief erhalten habe. Ich sagte ihr auch, dass ich den Auftrag in zerrissenem Zustand weggeschmissen habe, weil dieser aus oben aufgeführten Gründen keinen Bestand hat. Sie erklärte daraufhin, dass man da doch die Namen meiner Eltern hätte eintragen können, wenn meiner durchgestrichen würde. Eh Leute, wie sieht das denn aus? Ein Vertrag, auf dem einer der Vertragspartner handschriftlich über einem anderen durchgestrichenen steht? Ist so etwas rechtskräftig? Fragt mal Euren Anwalt, den habt Ihr doch bestimmt. Sie hat nicht verstanden, warum ich den Auftrag zerrissen hatte. Sie schien auch schockiert zu sein, dass ich meinen Eltern Euer Angebot nicht vorgelegt habe. Ist es denn meine Aufgabe, für Euch Werbung zu machen? Dafür bezahlen doch Unternehmen einen Haufen Kohle, damit jemand für solche Promotionjobs übernimmt. Ich sah mich damals nicht dazu veranlasst, meine Eltern mit einem alltäglichen Werbeschriebs zu nerven, da sie mit mir und ihrer Arbeit eigentlich genug zu tun haben. Sie stellte mir die abstruse  Frage, ob ich denn alles wegschmeiße, wo mein Name draufsteht. Sagt mal, haltet Ihr Eure potentiell neuen Kunden für bescheuert? Natürlich schmeiße ich nicht alles weg, was an mich adressiert ist. Manchmal bekomme ich sinnvolle Post, über die ich mich freue. Ich fand diese Frau auch plötzlich nicht mehr so nett. Ich meine, sie denkt, ich habe eine Macke und will mir aber Strom verkaufen. Was soll ich von Ihr halten? Auch ihr Tonfall änderte sich zum Negativen. Sie wurde zwar nicht ausfällig, aber man merkte schon, dass sie meine Lage nicht nachvollziehen wollte oder konnte. Ich kann doch keinen Strom kaufen, wenn ich gar keine Steckdose und kein Kabel habe. Oder gibt es bei Euch Elektronen jetzt schon in Eimern oder anderen Verpackungseinheiten. Dann würde ich zwei Eimer nehmen und einen meinen Eltern schenken. So ein Eimer mit Elektronen wäre aber unpraktisch, wenn ich diesen neben die Deckenlampe hängen muss, damit ich Licht habe. Das sieht wohl merkwürdig aus.

Nach 1:01min war das Gespräch mit dem gegenseitigen Wunsch für ein schönes Wochenende beendet. Ich bin dann sofort zu meinen Eltern gegangen und habe mich für meine Dreistigkeit entschuldigt, dass ich ihnen nicht das Werbeprospekt gezeigt habe. Ich hatte Glück und traf auf wohl gelaunte, ehemalige, denn ich bin bereits für mich im vollen Umfang selbst verantwortlich, Erziehungsberechtigte, die mir nochmals verziehen und nicht verstießen. Dafür würde ich meinen Eltern als Dank gerne einen Eimer mit Elektronen schenken.

So liebe Leute von  E WIE EINFACH Strom & Gas GmbH, ich hoffe, Ihr seht, dass die ganze Aktion mich e wie einfach mal richtig genervt hat. So was könnt Ihr e wie einfach mal knicken. Was soll das denn? Ihr schickt mir einen Brief und ruft dann trotzdem noch an. Vielleicht kommt ja nächste Woche einer vorbei und fragt, ob jemand angerufen hat und sich nach dem Brief erkundigte. Euch würde ich das mittlerweile zutrauen.

Ich hoffe, Ihr antwortet mir aber auf meine Fragen. Meine Email-Adresse habt Ihr ja jetzt auch. Was kostet denn eine solche Adresse?

Weiterhin hoffe ich, dass diese Mail an Euch meine Chancen bei Eurem Gewinnspiel nicht minimiert. Ihr seid doch bestimmt ne faire Truppe. Übrigens finde ich total fair, dass das Gewinnspiel nicht wirklich so schwer war. Außerdem brauchte ich nicht warten, bis der Hitbutton zuschlägt. Das zeigt wohl, was Ihr von Euren Kunden denkt.

Und bitte nicht wieder anrufen. Wenn Ihr wollt, dass meine Eltern auch von Eurem Angebot erfahren, dann schickt doch e wie einfach noch einen Brief an sie. Da sie auch hier in der Wohnung leben, ist die Adresse identisch. Tragt als Vornamen einfach „Eltern“ ein. Das wird schon klappen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

P.S. Das mit der Handynummer bei McDonalds funktioniert in Realität nicht. Ich habe es mehrfach versucht, aber nie eine Nummer bekommen.

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